1. Wie sehr beeinflusst die aktuelle Krise dein Leben?
Wir saßen quasi auf gepackten Koffern, voller Vorfreude auf unser nächstes Reiseabenteuer. Geplant war Südafrika sowie Simbabwe. Doch dann spitzte sich die Situation im Zusammenhang mit COVID-19 zusehends zu. Es wurde von nicht notwendigen Reisen, insbesondere Urlaubsreisen, abgeraten. Es wurden Reisewarnungen herausgegeben. Schlussendlich kam es zum Lockdown und wir packten unsere Koffer, ohne jegliche Reiseerinnerung im Gepäck, wieder aus. Wir folgten dem Aufruf „stay at home“ und verbrachten als freiheitsliebende Menschen so viel Zeit an einem Stück in unserer Wohnung wie wir seit Bezug vor 11 Jahren wohl noch nie dort verbracht haben.
Es ist nicht absehbar, wann wir unsere Reisefreiheit in dem Ausmaß wie vor COVID-19 wieder zurückbekommen, wann Reisen für uns wieder unbeschwert möglich sein wird und wann wir unser Projekt „Weltreise auf Raten“ fortsetzen können. Unsere Koffer bleiben abgestellt in der Ecke stehen.
Nichtsdestotrotz gehören wir zu jener Gruppe Menschen, die von der Krise weder gesundheitlich (zumindest bis zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen) noch existenziell getroffen wurde und dafür sind wir wirklich sehr dankbar.
2. Kannst du mir mindestens 5 Dinge nennen , die du machen wirst, wenn das alles vorbei ist?
Wir möchten wieder die Welt umarmen können !
Wir freuen uns schon so sehr mit Familie sowie Freunden - egal wo auf der Welt sie zu Hause sind - ausgelassen zu feiern und gemeinsam die Nacht zum Tag werden zu lassen, um vom Sonnenaufgang begrüßt zu werden.
Wir vermissen es warmen Sand unter unseren Füßen bei Strandspaziergängen zu spüren, nicht alltägliche Gerüche beim Marktbummel einzuatmen, uns in die exotischen Gewürze beim Essengehen zu verlieben und neue Bekanntschaften zu schließen, mit welchen man sich manchmal mit Händen und Füßen sowie Zeichnungen unterhalten muss, aber aus vollem Herzen gemeinsam lachen kann.
Wir möchten in Paris auf der Champs-Élysées mit Kaffee, Croissant sowie der aktuellen Ausgabe Charlie Hebdo frühstücken. Zu Mittag in Krakau am Hauptplatz „Pierogi“ essen, die nie so gut sein können, dass Oma sie nicht besser gemacht hätte. Nachmittags möchten wir in Dubai unseren Kaffee - aus Rosenwasser und Kardamom - mit frischen Datteln genießen. Als Aperitif würden wir gerne in Miami einen Cocktail mit Blick aufs Meer trinken und uns zu lateinamerikanischen Klängen im Lebensgefühl dieser Stadt verlieren. Zum Abendessen möchten wir uns in der W 52nd Street in New York einfinden, um in unserem Lieblingslokal das zu bestellen, was nicht auf der Karte steht und wonach man den Kellner fragen muss, weil wer nicht fragt kennt nicht den Brauch.
Das Fluchtachterl gönnen wir uns dann im Wohnzimmer der Josefstadt, im Café Hummel, und blicken zurück auf unsere Erlebnisse der letzten Reisen, in der festen Überzeugung, dass es zu Hause am Schönsten ist.
3. Es ist eine aussergewöhnliche Situation für alle. Was kannst du den Menschen mitgeben?
Die Geschehnisse rund um COVID-19 haben uns sehr schön vor Augen geführt, wie schnell sich unser gewohntes Leben ändern kann.
Wir nehmen keinen Tag für selbstverständlich und sind dankbar für jeden Tag, den wir gemeinsam unbeschwert genießen können. Es ist uns wichtig unsere Träume zu realisieren und so wenig wie möglich aufzuschieben. Wir vertrösten nichts und niemanden.
Einfach im Heute leben und das Hier und Jetzt mit Leben fühlen.